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Sonntag, 24. September 2017

Die Ausbeutung der Probenäher

Ich bin schon bei etlichen Probenähen dabei gewesen, bei vielen habe ich mich beworben, bei vielen wurde ich eingeladen. Kein Wunder bei einer Followerschaft von mehr als 5000 Leuten und monatlich 200.000 Seitenaufrufen alleine auf Facebook, einem Instagramaccount und einem eigenen Blog. 

Die perfekte Werbeplattform. 




Fashionblogger, Beautyblogger, Lifestyleblogger, Familyblogger, Reiseblogger, Foodblogger oder SEOblogger. Blogger gibt es in jedem Bereich und in jedem dieser Bereiche ist bekannt, dass man seine Dienste als Blogger nicht kostenlos anbietet. 

Dienste als Blogger bzw. Probenäher mit Werbeplattform?

Schnittmuster drucken, kleben und schneiden. Stoffe kaufen (10-25 €/m). Zubehör wie Garn oder Material zur Verzierung. Nähen der Schnitte (man spricht im selbständigen Handwerk von etwa 15€ die Stunde). Bilder machen, deren Bildrechte an den Designer weitergegeben werden. Blogbeiträge schreiben und diese in zig verschiedene Gruppen teilen.


Zeitaufwand und Ausgaben, wie die Bewerbung eines Produktes mit dem ein anderer Gewinnabsichten hat. Hier sehen wir natürlich von Hobbydesignern ab, die ihre Schnittmuster kostenlos anbieten, als Freebooks vertreiben.

Ein Mensch, ein Startup Unternehmen, dass noch so wenig Geld zur Verfügung hat, möchte ein neues Produkt vermarkten und MUSS für deren Vermarktung Ausgaben für Werbezwecke einplanen. Niemand macht umsonst Werbung. Kein Model, keine Internetplattform und die TV Werbung auch nicht. Selbst Blogger nicht, aber warum ist das in der Nähszene anders?

Hobby?

Natürlich kann jetzt ein jeder Näher, der seine Dienste, kostenlos anbietet, sagen dass er nur einem Hobby nachgeht, aber denken wir Mal kurz um:



Du bist Näherin, merkst dass mit dem steigenden Trend zum Nähen Geld zu verdienen ist UND ich beziehe damit auch Designer ein, die nicht viel Geld damit erzielen, aber dennoch eine offensichtliche GEWINNABSICHT haben, in dem sie ihre Schnittmuster kostenpflichtig anbieten:
Dann bist du ein Unternehmen.

Du bist Näherin, Bloggerin, ein Designer sucht für einen später kostenpflichtigen Schnitt unumgängliche Tester und Blogger die ihren Schnitt bewerben:
Dann bist du eine, wenn auch nur kurzfristige, Angestellte, die auch noch Kosten und Zeit aufbringen muss.


Bloggerverdienst - Wie viel verdient ein Blogger für seine Arbeit und was bist du als Probenäher wert?

Bei Bloggern spricht man bei einer Reichweite von bis zu 9.000 Aufrufen von etwa 100€, bei 70.000 dann schon 450€ aufsteigend, für das Bewerben eines gesponserten Produkt.
Klingt interessant und erschreckend zugleich, wenn man bedenkt dass man bei Probenähen am Ende mit dem eBook des Designers rausgeht, also etwa 5€.

Zieht man davon die nun entstanden Kosten ab inkl. Arbeitszeit ab, sind wir, wenn man nur 2 Teile näht (Probestück und das, das Fotografiert wird) bei ca. - 60€.



Reales Beispiel einer nun wirklich großen Designerin, die dennoch "nur" Online als Schnittdesignerin tätig ist:
Bei etwas mehr als 27500 verkauften Produkten in 2 Jahren, die im Durchschnitt mehr als 5€ Kosten macht dass einen Umsatz von 137500 €/5700€ im Monat.
Kleine Designer und Anfänger verdienen natürlich nicht ansatzweise so viel Geld, aber sie verdienen.

Ihre Probenäherinnen konnten hingegen ein schönes "Ich bin Probenäher für" auf ihrer Seite posten, dazu einen netten Beitrag schreiben und einen Verlust von 60€.


Umdenken

Ein Boykott der Designer oder ein Aufschrei nach nun zu zahlendem Gehalt ist hier falsch. Es würden sich weniger Leute den Schritt in die Selbständigkeit als Designer trauen und viele Probenäher würden auf der Strecke bleiben. 

Aber wie wäre es, wenn ein Designer seinen Probenähern eine eBook Flatrate anbietet. Große Designer einen Ballen Stoff unter den Nähern aufteilt, einfach nur um deren Arbeit endlich auch mal etwas zu entlohnen und sie damit Wert zuschätzen.



Außerdem sind da ja auch noch die Designer, die das Wertschätzen, die wir lieben und respektieren, die wir einfach gerne unterstützen.



Kommentare:

  1. Du hast recht, liebe Sarah. Ich habe mich oft gefragt, ob die drei genähten Teile, die ja oftmals während eines Probenähens entstehen, denn überhaupt im Rahmen dem gegenüber stehen, dass ich mit dem EBook in der Hand aus dem Haus gehe.

    Und oftmals ist es dann bei mir so, dass ich den Schnitt zwar nun in meiner Dropbox liegen habe, ihn aber nicht noch einmal (zumindest nicht so schnell) nähen werde, da er ja nun schon in meinem Schrank liegt... Und da klafft ja dann die Relation doch arg weit auseinander.

    Oftmals habe ich es auch erlebt, das Probenähen auch etwas sehr undankbares sein kann und versucher mich nur noch auf wenige Probenähen zu fokussieren.

    Danke für deinen Artikel... Und vielleicht erhört ja mal ein Designer deine Anregungen - auch für die kleinen Lichter am großen Nähhimmel.

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  2. Hallo,
    Sehr interessantes Thema, mit dem ich mich als eben so einer git verdienendes ebookdesignerin auch auseinander gesetzt haben.

    Ich kam zu dem selben Schöuss wie du. Habe meine Probenäherinnen auf die nötige Anzahl (je nach Probenähen 10-15) feste Damen reduziert. Bezahle 10-15€, gebe eine ebook Flatrate und habe einen 30% Rabatt bei einem grossen Stoffladen ausgehandelt und gebe dem im Gegenzug eine Werbeplatzform auf meiner Seite und in den ebooks. Sobald ich noch mehr verdiene, mlchze ich auch mehr zahlen.

    Aber deine Gewinnrechnung mit den ebooks stimmt nicht ganz. 15-30% geben wir an die Verkaufsplattformen, 19% Umsatzsteuer und Paymentgebühren kommen dazu. Der Gewinn liegt dann bei etwa 4€.
    Dennoch viel Geld, vor allem vor dem Hintergrund, dass gerade über mich und meiner Probenäherbezahlung gemeckert wurde, ich würde den "kleineren" damit ihre Probwnäher wegnehmen.

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    1. Finde du hast alles richtig gemacht :) Wobei ich bei der finanziellen Entlohnung den Vergleich zu "normalen" Bloggern zeigen möchte und eine Entlohnung durch Flatrate oder ähnlichem super finde :)

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  3. Ich kenne einige, die genau das tun was du vorschlägst. Aber auch du nutzt doch deinem Blog gewerblich, was ich aus der Werbung schließe die mir eingeblendet wird, deine Freebooks also als Werbemittel um Leute auf dem Blog zu locken. Du verdienst also indirekt Geld damit. Bei einem freebook gehen die Leute nichtmal mit dem Gegenwert des eBooks aus dem probenähen, wie rechtfertigt sich das dann? Man könnte auch anders denken- Blogger und Näherinnen unterstützen sich gegenseitig. Und in dem Moment in dem eine flatrate als Bezahlung angeboten wird, oder der Stoff für etwas anderes als um ihn zu beurteilen oder im probenähen zu verwenden in Aussicht gestellt wird, muss die probenaherin gewerblich nähen, da es sich um einen Geldwerten Vorteil handelt. Das möchte aber vielleicht auch nicht jede...

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    1. Ja mit meinem Blog habe ich einnahmen :) Hab Hobbymäßig angefangen und das hat sich daraus entwickelt. Meine Einnahmen die damals mit den Schnittmustern verdient wurden, gingen an zwei Tierschutzorganisationen, dass ich meinen Näherinnen auch nachgewiesen habe :) Bei Freebooks sehe ich auf beiden Seiten eine Ausübung des Hobbys, ohne gewerblichen Hintergrund. Bei üblichen Probenähen geht es dann aber meist (ausgeschlossen die, die eine minimale Entlohnung leisten) um den ein seitlichen Verdienst. Das heißt jemand verdient, während andere kostenlos für den Umsatz des einen arbeitet. :)

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    2. Naja, so rein hobbymässig ist ein freebook auch nicht, wenn man mit der Seite über die es angeboten wird Geld verdient... es bringt Leute auf die Seite, und damit für Blogger die Werbung oder affiliate Programme nutzen auch Einnahmen.
      Ich habe für mich bisher auch immer einen anderen nutzen als finanziellen durch die probenähen gehabt, vieles was ich dort durch teilweise Kleinschrittige Erklärungen gelernt habe, hätte ich sonst wahrscheinlich nur in einem nähkurs lernen können, der mich Geld gekostet hätte. Ich glaube da darf man durchaus da große Ganze betrachten, statt nur aufs Geld zu gucken. Ich Nähe nur zur Probe, wenn ich auch den Schnitt kaufen würde, Material zum nähen würde ich für den Schnitt also ohnehin verbrauchen, das kann man daher auch nicht 1:1 als Ausgabe zugunsten des Designers anrechnen. Eigentlich hat für mich letztlich nur das Argument der Bildrechte bestand, die gebe ich ohne Gegenleistung her. Vielleicht nähen einige nur um des probenähens Willen Probe, da mag das dann anders sein, aber für meinen Teil würde ich nicht sagen, dass ich mich ausgebeutet fühle. Nebenbei bemerkt kenne ich auch unter Beauty und modebloggern niemanden der seinen Blog schon mit gesponserten Posts beginnen hat. Auch dort wird in der Regel erstmal vom eigenen Geld geshoppt was es dann auf den Blog schafft, und bei Produkttests die man über Portale bekommt, sind oft hohe Zuzahlungen fällig. Wenn ein Blog etabliert ist, und der Blogger sich darum bemüht, dann gibt es dafür Geld, aber sicher nicht ohne Investitionen in der Anfangszeit...

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  4. Ich kann mich nur Lalilly anschließen. Gewerbliches Probenähen ohne Gewerbe ist sicherlich ein heißes Eisen. Zudem würden mich sehr deine Datenquellen interessieren. Sorry, aber für mich als Betriebswirtin zählen nur Zahlen, Daten, Fakten mit fundierten und gut recherchierten Datengrundlagen. Natürlich ist das dein Blog und du kannst hier schreiben was du willst aber mit deiner Aussage große "Designerinnen beuten Probenäherinnen aus" bewegst du dich auf sehr dünnem Eis. Dieser Artikel wird sicherlich polarisieren. Aber eines hast du auf jedenfall damit geschafft - Traffic für deine Seite. Also aus SEO-Sicht sehr gut gemacht.

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  5. Klar kommt da die Frage nach dem gewerblichen Hintergrund, deshalb der Gedanke an eBook Flatrates oder wie geschrieben mal nen Meter Stoff :) Ich schreibe hier halt als Bloggerin die ein Jahr sehr regelmäßig Probegenäht hat und inzwischen weiß wie es in der regulären Blogszene abläuft und genau damit vergleiche ich das Probenähen. Und ich freue mich auch so viel Zuspruch von Designern bekomme zu haben, die ähnlich denken und sich Gedanken und auch Lösungen dafür gefunden haben :)

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  6. Aber die flatrate und ähnliches sind eben ein geldwerter Vorteil und bei der Steuererklärung mit ihrem Gegenwert anzugeben. Es ist nicht nur gewerblich wenn man in Euros bezahlt wird, sondern auch Sachwerte wenn man die für seine Arbeit bekommt. Und gewerblich ist es auch hier in dem Moment in dem der probenähen eine gewinnabsicht hat, also wenn er näht weil er dafür die flatrate bekommt. Je nachdem wie der Designer seine Ausgaben für Sachwerte verbucht, die er als Entlohnung gibt, ist das auch für Steuerprüfer nachvollziehbar, und es nicht anzugeben für den probenähen je nach wert problematisch. Vorallem wenn derjenige öfter zur Probe näht und so eine Entlohnung bekommt.

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  7. Das ist auch bei mir ein Thema. Es sind nur einige selbständig und können die Bezahlung annehmen. Daher haben wir uns so geeinigt, dass ich den Betrag an eine gemeinnützige Organisation spende.

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  8. Antworten
    1. Ups, wo ist denn der Kommentar hin?

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    2. "Dieses Kommentar wurde vom Autor entfernt." also vom Autor des Kommentars :)

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  9. ich habe auch schon bei einigen probenähen mitgemacht und bekannte fragen mich immer wieder, was ich dafür bekomme. für aussenstehende ist es komplett unbegreiflich, dass man so viel zeit in ein projekt investiert ohne selbst etwas zu bekommen, während die schnittmusterersteller damit geld verdienen. ich habe probegenäht, weill es einfach spass macht, man lernt gleichgesinnte kennen, in den gruppen herrscht meist entspannte und gute stimmung. ich habe mich dennoch entschlossen, an weniger probenähen teilzunehmen. ich habe so wenig zeit für mein hobby, in der wenigen zeit möchte ich mir nicht auch noch stress durch abgabetermine machen. man muss ja doch mindestens zwei teile nähen und das braucht schon zeit, gute fotos machen sich auch nicht von alleine. was auf jeden fall fürs probenähen spricht, dass der bekanntheitsgrad des eigenen blogs steigt! glg andrea

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  10. Obwohl ich selber auch nähe, habe ich mich noch nie mit diesem Thema befasst :D Kann mir aber sehr gut vorstellen, dass Probenäher "ausgebeutet" werden..

    Liebe Grüße,
    Susanna
    _______________________________________
    www.susannavonundzustil.de

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  11. Ein wirklich sehr interessanter Beitrag. Da sollte sich dringend was tun!
    Liebe Grüße,

    Jojo von www.jolimanoli.com

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  12. Das ist ein für mich ganz neues Thema. Danke für den Einblick. Ich wußte gar nicht, dass das so abläuft.
    Liebe Grüße
    Anja von Castlemaker.de

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